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04.09.2017 - Nachhaltigkeit Eine Wespe namens Migrosi

Seraina Klopfstein hat in Australien eine bislang unbekannte Wespenart entdeckt und sie nach der Migros benannt – als Hommage an deren Engagement für die Artenvielfalt.

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Seraina Klopfstein (Foto: Lisa Schäublin, NMBE)

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«Dimophora migrosi» (Foto: Seraina Klopfstein)

Wespen sind nicht gerade Sympathieträger. Vor allem dann nicht, wenn sie einem beim Essen draussen im Spätsommer um den Kopf schwirren. Und doch: «Wespen übernehmen in der Regulation eines Ökosystems eine wichtige Rolle, etwa als Gegenspieler von Schädlingen», erklärt Seraina Klopfstein. Die Biologin forscht am Naturhistorischen Museum Bern und war als Postdoktorandin in Australien tätig. Dort hat sie im Rahmen ihrer Forschungen eine neue Wespenart entdeckt.

Als Entdeckerin kam ihr die Ehre zu, der neuen Art einen Namen zu geben: Dimophora migrosi heissen die knapp ein Zentimeter langen, orange gefärbten Insekten nun. Benannt sind sie tatsächlich nach der Migros, wie Klopfstein lachend bestätigt. «Beim Namen schwingt durch meine Zeit in Australien natürlich ein bisschen Heimweh mit, und die orange Färbung passt auch sehr gut. Vor allem aber habe ich bei der Namensgebung an das Engagement der Migros für die Natur und die Biodiversität gedacht.»

Viele Arten noch unentdeckt

Down Under eine neue Tierart zu entdecken, sei allerdings gar nicht so ungewöhnlich. «In Australien sind im Gegensatz zu Europa erst etwa zehn Prozent der Insektenarten wissenschaftlich erfasst und beschrieben», sagt Klopfstein. «Das macht es natürlich schwierig, invasive Arten zu erkennen, die ins Land eingeschleppt werden und das Ökosystem schädigen können.» Deshalb sei die Erforschung der Biodiversität besonders wichtig. In Museen und Universitäten lagern grosse Sammlungen von Tieren, die noch nicht ausgewertet sind. In einer solchen Sammlung hat Klopfstein auch die Migros-Wespe entdeckt und sie anschliessend wissenschaftlich beschrieben. «Dimophora migrosi ist eine parasitäre Art, steht also ökologisch zwischen Räuber und Parasit. Sie legt ihre Eier in Mottenlarven ab. Die Wespenlarven fressen das Wirtstier und schlüpfen nach deren Verpuppung.»

Insekten, die sich so fortpflanzen, kommen beispielsweise als natürliche Schädlingsbekämpfer zum Einsatz. Ob auch die Migros-Wespe für solche Zwecke geeignet ist, lässt sich gemäss Klopfstein noch nicht sagen. «Dazu muss die Art noch besser untersucht werden. Bei meiner Forschung geht es zuerst einmal um das Festhalten der Artenvielfalt.»