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19.10.2017 - Nachhaltigkeit «Wir halten an unserer Ambition fest»

Das Ziel, bis Ende 2017 ausschliesslich Eco-zertifizierte Textilien zu verkaufen, wird die Migros verfehlen. Manfred Bötsch, Leiter Direktion Nachhaltigkeit, erläutert die Gründe und erklärt, wie es weitergehen soll.

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Manfred Bötsch, Leiter Direktion Nachhaltigkeit und Qualitätsmanagement bei der Migros.

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Eine Arbeiterin sortiert Daunenjacken in einem Migros-Lieferbetrieb in Xinyi, China.

Die Migros versprach 2013, bis Ende 2017 alle Textilien gemäss dem eigenen Eco-Standard zu beschaffen. Was hat man in den vier Jahren erreicht?
Manfred Bötsch: Es ist uns gelungen, den schon zu Beginn hohen Anteil an Eco-zertifizierten Textilien kontinuierlich zu steigern. Allerdings geschah dies nicht so schnell wie erhofft. Bei der Bekleidung haben wir heute 80 Prozent erreicht, über das gesamte Textilsortiment betrachtet, sind es zwei Drittel. Das Ziel, bis Ende Jahr 100 Prozent zu schaffen, werden wir verfehlen.

Welches sind die Gründe?
Wir haben unterschätzt, wie aufwendig es ist, den Migros-eigenen Eco-Standard bei komplex zusammengesetzten Produkten durchzusetzen. Nehmen wir eine Ski-Jacke: Sie besteht aus Innen- und Aussenfutter, Isolationsmaterial, Kapuze, Reissverschluss und vielem mehr. Für all diese Bestandteile gilt es, die Produktion einzeln zu kontrollieren. Das bedeutet in der Realität mehrere Dutzend Betriebe für ein einziges Produkt. All dies ist sehr arbeits- und zeitintensiv. Daneben gibt es prozessuale Probleme, die noch ungelöst sind. Zum Beispiel die Frage, wie man Textilien ohne die problematischen Fluorchemikalien zugleich auch noch Eco-kompatibel machen kann. 

Hätte man das Versprechen mit mehr Zeit einhalten können?
Neben dem Zeitfaktor gibt es noch eine andere Herausforderung: Wir mögen in der Schweiz ein bedeutender Detailhändler sein, aber auf dem globalen Textilmarkt ist die Migros ein kleiner Player. Mit unseren vergleichsweise kleinen Stückmengen einen eigenen Standard zu etablieren, ist schwierig. Für viele Lieferanten, die technisch in der Lage wären, Eco umzusetzen, sind wir nicht interessant genug.

Umweltschutzkreise kritisierten das Eco-Versprechen damals als unrealistischen Alleingang. Hatten sie ein Stück weit recht?
Als die Migros den Eco-Standard 1996 ins Leben rief, war sie damit eine Pionierin. Erst in den vergangenen Jahren hat sich unser umfassender Ansatz, das Produkt und den Fabrikationsprozess von schädlichen Chemikalien zu befreien und zudem soziale Arbeitsbedingungen durchzusetzen, auch bei den grossen internationalen Labels durchgesetzt. Das war bei der Lancierung unseres Versprechens in diesem Ausmass nicht vorhersehbar. Das Versprechen hat uns weitergebracht. Es ist aber korrekt, dass der Hebel zur Verbesserung der Situation in Lieferantenländern beim gemeinsamen Vorgehen vieler Unternehmen liegt.

Was bedeutet das für die Migros?
Wir haben vor diesem Hintergrund beschlossen, uns zu öffnen und Alternativen zu Eco zu evaluieren. Ab 2018 arbeiten wir mit ausgesuchten internationalen Textilstandards; wir hoffen, auf diese Weise schneller voranzukommen. Denn an unserer Ambition, 100 Prozent des Textilsortiments ökologisch und sozial nachhaltig zu beschaffen, halten wir fest.

Sind diese Textilstandards denn gleichwertig wie Eco?
Für uns kommen nur Standards mit mindestens so hohen Anforderungen wie Eco in Frage. Sie müssen eine ökologisch einwandfreie und sozialverträgliche Herstellung sowie eine lückenlose Rückverfolgbarkeit und Dokumentation sämtlicher Arbeitsschritte gewährleisten. Auf Basis dieser Vorgaben evaluieren wir vier zusätzliche Standards, drei davon werden derzeit in Pilotprojekten getestet. Wir sind zuversichtlich, dass wir damit die 100-Prozent-Marke schneller erreichen.

Trifft es zu, dass das Nachhaltigkeitsbewusstsein im Hinblick auf Textilien geringer ist als das bezüglich Lebensmittel?
Hier existiert tatsächlich ein Gefälle: Je grösser die «Nähe» eines Produkts zum Körper, desto grösser ist das diesbezügliche Nachhaltigkeitsbewusstsein. Deshalb ist es nirgends ausgeprägter als bei Nahrungsmitteln. Bei Non-Food-Produkten wie Möbeln oder Heimtextilien muss man sich hingegen vergegenwärtigen, dass sie für Umwelt und Wohlbefinden ebenfalls relevant sind.

Aber Kleider trägt man doch auch am Körper.
Ja, darum ist ihr Anteil am Eco-zertifizierten Textilsortiment relativ hoch. Aber auch hier gibt es Unterschiede: Am ausgeprägtesten ist das Bewusstsein bezüglich Babykleidung, gefolgt von Unterwäsche und Pyjamas, also Kleidern, die man direkt auf der Haut trägt. Bei Jacken nimmt es bereits wieder ab, und bei Vorhängen noch mal.

Die Migros beschäftigt sich seit über 30 Jahren mit dem Thema Nachhaltigkeit bei Textilien. Wie geht es in der Branche weiter?
Die Themen der Zukunft sind auch hier die Ressourceneffizienz und die Wiederverwertung beziehungsweise das Schliessen von Materialkreisläufen. Der Einsatz natürlicher Materialien ist nicht nur für die Umweltverträglichkeit wichtig, sondern auch fürs Recycling. Belastete Stoffe lassen sich nicht effizient wiederverwerten. Zudem muss der Energie- und Wasserverbrauch bei der Herstellung sinken. Die Migros wird ihren Teil beitragen, um diese Entwicklung voranzutreiben.

Text: Kian Ramezani
Bilder: Daniel Grieser, Paolo Dutto


Pilotversuch neue Label
Ab 2018 arbeitet die Migros zur Ergänzung des Eco-Standards mit folgenden bekannten internationalen Textillabels zusammen:

Diese Labels stehen wie Eco für eine umweltverträgliche und sozial verantwortliche Herstellung von Textilien.