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Verbesserte Tierhaltung im Ausland

Die Migros führt die hohen Schweizer Tierwohl-Anforderungen bis Ende 2020 auch für alle Importprodukte ein. Bei Kaninchen-, Truten- und Pouletfleisch sowie bei Wurstwaren aus Schweinefleisch hat sie die Anforderungen bereits umgesetzt.

Truten im Stall

Bei gewissen Produkten ist die Migros wegen des zu kleinen einheimischen Angebots auf Importe angewiesen, wie zum Beispiel bei Kaninchen, Truten-, Poulet- oder Lammfleisch, sowie bei einigen Ei- und Milchprodukten. Die Haltungsstandards im Ausland sind jedoch für viele Nutztiere nicht einheitlich. Zudem erfüllen die gängigen Standards oftmals die Tierwohl Anforderungen der Migros nicht. Bis Ende 2020 verpflichtet sich die Migros, dass all ihre Importprodukte tierischer Herkunft die hohen Schweizer Tierwohl-Anforderungen erfüllen
 

Weisung Migros Animal Welfare (PDF, 241 KB)
 

Um dieses Ziel erreichen zu können, arbeitet die Migros eng mit externen Partnern wie dem Schweizer Tierschutz (STS) zusammen – zum Beispiel beim Entwickeln der Anforderungen je Tiergattung und bei der Umsetzung im Ursprungsland. Die direkte Zusammenarbeit mit Produzenten vor Ort ermöglicht es der Migros, individuelle und praxistaugliche Lösungen zu erarbeiten, die teilweise über die gesetzlichen Vorgaben in der Schweiz hinaus gehen. Für ihr Tierwohl-Engagement im Ausland wurde die Migros 2014 mit dem Swiss Ethics Award ausgezeichnet.

Priorisierung aufgrund Risikoanalyse

Die Haltungsbedingungen der Tiere im Ausland zu verbessern ist ein langfristiges Vorhaben. Die Migros geht dabei schrittweise vor auf Basis einer Risikoanalyse, die sie 2013 zusammen mit dem STS erarbeitet hat. Prioritär umgesetzt werden die Schweizer Tierwohl-Standards dort, wo viele Tiere betroffen sind (hoher Sortimentsanteil) – vorrangig bei Tiergattungen mit hohem Risiko für schlechte Haltungsbedingungen wie beispielsweise Poulet oder Truten. Bei folgenden Tiergattungen sind erste Projekte bereits erfolgreich umgesetzt und die Haltungsbedingungen entsprechen dem Schweizer Tierschutz-Niveau oder gehen sogar darüber hinaus:

Das Kaninchenfleisch in der Migros stammt zu 20 Prozent aus der Schweiz, 80 Prozent werden aus Ungarn importiert. Dort setzt die Migros zusammen mit dem Lieferanten eine tiergerechte Kaninchenhaltung nach Schweizer Tierschutzgesetz um. Für die Kaninchen bedeutet dies unter anderem mehrstöckige Gehege mit Ruhe- und Rückzugsmöglichkeiten sowie Dunkelbereichen, artgerechte Beschäftigungsmöglichkeiten (z.B. Stroh, Heu, Karotten, Holzstücke). Den Tieren steht auch ein eingestreutes Nest zur Verfügung. Dort werden Jungtiere geboren und es dient den Muttertieren als Säugeplatz und zum Schutz. 

In Ungarn hat die Migros zusammen mit Partnern rund 40 Trutenställe nach Schweizer Vorgaben umgerüstet oder neu gebaut. Die mehr als 200'000 Truten erhielten dank des Umbaus mehr Platz, Tageslicht im Stall und Zugang zu einem Wintergarten. Gleichzeitig stehen ihnen erhöhte Sitzgelegenheiten und Rückzugsmöglichkeiten zur Verfügung.

Die neuen Trutenställe in Ungarn zeigen bereits kurz nach der Initialisierung einen Vorbildcharakter in der Region. Einzelne Massnahmen wie ein natürlicher Tag-/ Nachtrhythmus wurden nun auch in anderen Stallungen umgesetzt, in welchen für den europäischen Markt produziert wird. So konnte auf das Bestreben der Migros hin eine Verbesserung für rund 2 Millionen Tiere erreicht werden.

Beim Pouletfleisch bezieht die Migros rund 20% der Produkte aus dem Ausland. In Deutschland und Ungarn wurden darum rund 80 Ställe nach Vorgaben der Schweizer Tierschutzverordnung umgebaut. Dadurch haben die Hühner nun gegenüber der gängigen EU-Praxis um bis zu 40 Prozent mehr Platz und neue Fenster sorgen für Tageslicht in den Ställen. Zudem wurde die Dunkelphase respektive die Ruhephase neu auf acht Stunden durchgehend ausgedehnt. Im EU-Raum liegt der Standard nur bei zwei mal vier Stunden. Weiter wird ein Augenmerk auf die Einstreu gelegt: Diese muss stets weich und trocken sein, um Erkrankungen der Fussballen der Hühner zu verhindern.

Vor und nach der Umgestaltung der Ställe verfassten STS-Mitarbeitende Berichte zum quantitativen und qualitativen Tierschutz. Beim quantitativen Tierschutz wurden zum Beispiel die Stalldimensionen und die Anzahl erhöhter Flächen und Futter- und Tränketröge erhoben. Beim qualitativen Tierschutz wurde hauptsächlich der Zustand der Tiere untersucht. Dabei prüften sie etwa die Fussballengesundheit, Brustverklebungen und die Schnäbel der Tiere. Aufgrund der Erkenntnisse wurden diverse Massnahmen durch die Produzenten umgesetzt. So konnten beispielsweise dank einer leicht anderen Einstreu die Fussballenprobleme signifikant reduziert werden. Zusätzlich beschäftigt der Lieferant in Ungarn eine Mitarbeiterin, die sich ausschliesslich um Tierwohlfragen kümmert und den Produzenten beratend zur Seite steht. Sie kontrolliert regelmässig den Gesundheitszustand der Tiere und leitet wo nötig Massnahmen zur Verbesserung ein. Die Mitarbeiterin wurde durch Fachleute des Schweizer Tierschutzes (STS) geschult.

Als erste Detailhändlerin der Schweiz importiert die Migros von dem norditalienischen Traditionsbetrieb Beretta Wurstwaren aus Schweinefleisch, die nach den hohen Schweizer Tierwohl-Standards produziert werden. Ein Schweinemastbetrieb in der Poebene wurde für das Projekt während zwei Jahren umgestaltet. Mit verschiedenen Massnahmen wurde sichergestellt, dass die Haltung, Tiergesundheit, Fütterung, Transport und Schlachtung den Schweizer Massstäben entsprechen:

  • Haltung: Die Tiere haben mehr Platz, einen festen Liegebereich, Tageslicht sowie genügend Fütterungs- und Tränkeeinrichtungen. Zudem stehen ihnen jederzeit Strohwürfel und Blöcke aus gepresstem Sägemehl als Beschäftigungsmöglichkeit zur Verfügung.
  • Tiergesundheit: Das Coupieren der Schwänze und das Abklemmen der Zähne sind verboten. Die Kastration von Ferkeln darf nur unter Betäubung stattfinden.
  • Fütterung: Die Fütterung muss artgerecht und die Futtermittel GVO-frei sein.
  • Transport: Die Transportdauer darf maximal 6 Stunden betragen. Gleichzeitig steht den Tieren mehr Platz zur Verfügung.
  • Schlachtung: Es wird auf einen schonenden Umgang mit den Tieren geachtet. Die Betäubung wird nach Schweizer Tierschutz-Standard durchgeführt.

Als Nächstes stehen Verbesserungen der Haltungsbedingungen von Legehennen aus dem EU-Raum sowie von Wasserbüffeln aus Italien an. Diese liefern die Milch für die Herstellung von Mozzarella. Ein weiteres Projekt betrifft das Pferdefleisch: Nachdem die Migros den Verkauf von Pferdefleisch aufgrund von Mängeln beim Tierwohl eingestellt hatte, bietet sie aktuell regional in Westschweizer Genossenschaften in wenigen Filialen wieder Pferdefleisch an. Die Migros ist gemeinsam mit dem Produzenten bestrebt, das Niveau der Schweizer Tierschutzvorschriften zu erlangen. Dies im Wissen, dass der spanische Produzent bereits heute schon in wesentlichen Punkten dieses Niveau erreicht.

Schulung durch Fachleute

Im Ausland werden die Produzenten bei der Einführung von Schweizer Tierwohl-Standards von externen Partnern wie dem STS unterstützt. Der STS schult die Mitarbeitenden vor Ort in wichtigen Themen wie zum Beispiel beim Transport inkl. Verladen oder dem korrekten Umgang mit den Tieren. Auch wurde ein Austausch zwischen ausländischen Produzenten und Schweizer Fachleuten zu verschiedenen Themen organisiert, wie beispielsweise zum fachgerechten Touchieren der Schnäbel bei Truten. Diese Besuche in der Schweiz sensibilisieren die ausländischen Produzenten für die Tierwohlanliegen der Migros und motivieren sie für die Umsetzung.

Auch die Kontrollstellen im Ausland werden durch Fachleute wie beispielsweise den Schweizer Tierschutz (STS) geschult, damit sie mit den Vorgaben der Migros bis ins Detail vertraut sind und bei Betriebskontrollen die Lage vor Ort richtig beurteilen können.

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