Navigation

13.05.2019 - Nachhaltigkeit Kleiner Preis mit grosser Wirkung

Zürich - Seit November 2016 sind die Plastiksäcklein an der Migros-Kasse nicht mehr gratis, sondern kosten der Umwelt zuliebe 5 Rappen. Sechs Fragen und Antworten zu den Rascheltüten.

2160x1215_migros-plastiksaeckli.jpg

Was hat es bisher gebracht, einen Preis für die Säcklein zu verlangen?
Die 5 Rappen klingen zwar nach sehr wenig. Doch die Kostenpflicht hat bereits eine grosse Wirkung erzielt: Seit ihrer Einführung ist der Verbrauch der Raschelbeutel um 83 Prozent zurückgegangen.

Wie viel Geld verdient die Migros mit den Plastiksäcklein?
Sie macht damit keinen Gewinn. Was nach Abzug der Selbstkosten übrig bleibt, fliesst in Umweltprojekte in der Schweiz.

Weshalb werden die Plastiksäcklein nicht ganz abgeschafft?
Das würde der Umwelt vermutlich eher schaden als nützen. Kalifornien hat Wegwerfsäcklein 2016 völlig aus dem Detailhandel verbannt. Laut einer Studie der australischen Ökonomin Rebecca Taylor war das aber kontraproduktiv: Viele Leute nutzen die hauchdünnen Säcklein nämlich noch einmal – etwa um Gemüse aufzubewahren oder Abfälle geruchsdicht zu verpacken. Nach dem Verbot wichen Konsumenten statt dessen auf Beutel aus dickerem Kunststoff aus – der Plastikverbrauch nahm in Kalifornien sogar zu.

Die Säcklein bestehen zu 100 Prozent aus Recyclingmaterial. Woher kommt der Kunststoff, aus dem sie hergestellt werden?
Mit sogenannter Stretchfolie umwickelt die Migros-Industrie auf Paletten aufgestapelte Produkte, die transportiert werden sollen – von Kosmetikartikeln bis zu tiefgekühlten Lebensmitteln. Beim Auspacken der Artikel wird die Folie zerschnitten. Eine spezialisierte Firma reinigt anschliessend die Foilienfetzen mit Regenwasser, schmilzt ein und verarbeitet sie zu Säckleinrollen.

Lassen sich die Säcklein kompostieren?
Nein, und darum gehören sie nicht in den Grünabfall. Wer keine Verwendung mehr dafür hat, muss sie im normalen Kehricht entsorgen.

Warum bietet die Migros keine Beutel aus Biokunststoff an?
Die Umweltbelastung bei der Herstellung von Bioplastik ist in der Regel viel höher: Der Anbau der Rohstoffe – in der Regel Mais oder Zuckerrohr – erzeugt durch den Pestizideinsatz, Düngung, sowie die Bewässerung viel höhere Emissionen. Die Ökobilanz ist damit meist schlechter als bei konventionellem Plastik. Fast noch wichtiger ist allerdings, dass der Anbau dieser Rohstoffe in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion steht, was die Migros als unverantwortlich erachtet. Bioplastik erreicht ausserdem bei Weitem nicht dieselben Verpackungseigenschaften wie konventionelles Plastik. Um beispielsweise bei einer Tragtasche eine vergleichbare Reissfestigkeit zu erreichen, müssen die Bioplastiktaschen rund 30 Prozent dicker sein.

Text: Michael West