Navigation

Status des Versprechens: Tierwohl-Standards im Ausland

Wir versprechen, bis 2020 die hohen Schweizer Tierwohl-Standards auch bei all unseren Produkten aus dem Ausland einzuführen.
Versprechen nicht auf Kurs.
Versprechen nicht auf Kurs.

Fortschritt pro Tiergattung per 30.06.2019

Seit Beginn des Versprechens im Jahr 2013 konnte die Migros zusammen mit ihren Partnern bereits in verschiedenen ausländischen Betrieben wichtige Verbesserungen erzielen. Je nach Tiergattung gestaltet sich die Umstellung auf die schweizerischen Tierschutzvorschriften jedoch unterschiedlich. Bei einigen Tierarten konnte die Umsetzung bisher nicht wie geplant stattfinden, weshalb der Fortschritt des Versprechens per Mitte 2019 insgesamt nicht auf Kurs ist. Nachfolgend der aktuelle Stand pro Tiergattung:

Das importierte frische Pouletfleisch wird vollumfänglich von Lieferanten aus Frankreich, Ungarn und Deutschland bezogen, welche nach den in der Schweiz geltenden Tierschutzvorschriften produzieren. Gemessen an der Gesamtmenge des verkauften Pouletfleisches macht der Importanteil rund 20% aus. 

Mehr dazu im Migros Magazin

Beim tiefgekühlten Pouletfleisch und bei Charcuterie-Produkten ist die Umstellung gemeinsam mit den Lieferanten in Brasilien und Thailand ebenfalls nahezu abgeschlossen.

Beim frischen Import-Trutenfleisch konnte die Migros ihre Anforderungen vollumfänglich umsetzen. Das gesamte frische Trutenfleisch wird von Lieferanten aus Ungarn und Frankreich bezogen, welche nach den in der Schweiz geltenden Tierschutzvorschriften produzieren – damit profitieren mehr als 200'000 Truten von mehr Platz, Tageslicht, erhöhten Sitzgelegenheiten und Rückzugsmöglichkeiten. Zusätzlich schreibt die Migros hier die besonders tierfreundliche Stallhaltung (BTS) vor und geht damit sogar über die Schweizer Gesetzgebung hinaus. BTS bedeutet, dass sämtliche Truten Zugang zu einem Aussenklimabereich haben, einem sogenannten «Wintergarten».

Migros-Magazin Artikel «Ein Wintergarten für Truten» (PDF)
Beitrag im Kassensturz vom 24.6.2014

Bei tiefgekühlten und verarbeiteten Produkten gestaltet sich die Umsetzung jedoch schwieriger. Zwar konnten einzelne Tiefkühlprodukte, wie zum Beispiel ganze Truten für Festtage, bereits umgestellt werden. Dennoch werden die höheren Standards gemäss aktuellem Stand nicht bei sämtlichen importierten Produkten erzielt werden können. 

Rindfleisch wird nur sporadisch importiert, was die Zielerreichung zu einer grossen Herausforderung macht. Bei einzelnen Produzenten wurden die Schweizer Tierschutzvorschriften umgesetzt. So konnte die Migros im vergangenen Jahr einen Betrieb in Rumänien zertifizieren, der Rindfleisch in die Migros Zürich liefert. In der Breite ist die Umsetzung allerdings nicht möglich – insbesondere bei verarbeiteten Produkten wie etwa Hackfleisch. Der Grund ist die Vielzahl der involvierten Bauernhöfe. Zwar lässt sich bis zum einzelnen Hof zurückverfolgen, woher das Fleisch stammt. Da aber auch das Fleisch von Milchkühen verarbeitet wird, müssten auch Milchwirtschaftsbetriebe im Ausland auf die Schweizer Normen umgestellt werden. Dies ist aus technischen Gründen nicht möglich (siehe Milchprodukte).

Das Schweinefleisch für die Charcuterie-Produkte des Herstellers Beretta wird nach Schweizer Tierschutzvorschriften produziert. Ein Schweinemastbetrieb in der Poebene wurde für das Projekt während zwei Jahren umgestaltet. Mit verschiedenen Massnahmen wurde sichergestellt, dass die Haltung, Tiergesundheit, Fütterung, Transport und Schlachtung den Schweizer Massstäben entsprechen:

  • Haltung: Die Tiere haben mehr Platz, einen festen Liegebereich, Tageslicht sowie genügend Fütterungs- und Tränkeeinrichtungen. Zudem stehen ihnen jederzeit Strohwürfel und Blöcke aus gepresstem Sägemehl als Beschäftigungsmöglichkeit zur Verfügung.
  • Tiergesundheit: Das Coupieren der Schwänze und das Abklemmen der Zähne sind verboten. Die Kastration von Ferkeln darf nur unter Betäubung stattfinden.
  • Transport: Die Fahrzeit beim Transport darf maximal 6 Stunden betragen. Gleichzeitig steht den Tieren mehr Platz zur Verfügung.
  • Schlachtung: Es wird auf einen schonenden Umgang mit den Tieren geachtet. Die Betäubung wird nach Schweizer Tierschutz-Standard durchgeführt.

Bei weiteren Produzenten wie Citterio ist die Zertifizierung aktuell in Arbeit (mehr dazu im Migros Magazin vom 10. Dezember 2018).

Beim ausländischen Frischfleisch hingegen ist eine Umstellung kaum möglich. Frisches Schweinefleisch in der Migros stammt fast ausschliesslich aus der Schweiz und wird nur sporadisch bei Engpässen auf dem Schweizer Markt importiert. Die Geschäftsbeziehungen mit den Lieferanten sind somit sehr unregelmässig und es fehlen die Rahmenbedingungen, gemeinsam mit den Lieferanten langfristig die Schweizer Tierschutzvorschriften im Ausland umzusetzen.

Genau wie beim Schweinefleisch finden auch beim Kalbfleisch normalerweise keine Importe statt. Zu gewissen Zeiten, etwa rund um Weihnachten, ist die Nachfrage nach Edelstücken vom Kalb aber besonders hoch und übersteigt das Angebot an Schweizer Fleisch. Ist dies der Fall, importiert die Migros punktuell Kalbfleisch aus dem Ausland. Diese Rahmenbedingung macht es nahezu unmöglich, die Schweizer Tierschutzvorschriften bei den ausländischen Lieferanten umzusetzen. Die Kosten für die Umstellung wären bei solch geringen Fleischmengen für alle Beteiligten zu hoch. Die gemeinsame Umsetzung der Schweizer Tierschutzvorschriften zusammen mit ausländischen Lieferanten gelingt nur dann, wenn eine kontinuierliche Lieferung der Waren gewährleistet werden kann.

Das importierte Lammfleisch in der Migros stammt mehrheitlich aus Neuseeland, Australien, Irland und Grossbritannien. Die Haltungsbedingungen in diesen Ländern sind oft sehr nahe an den Schweizer Vorschriften (Weidesysteme). Eine komplette Umstellung und Zertifizierung gestaltet sich aufgrund der komplexen Wertschöpfungsketten und fehlender Kooperationsbereitschaft der Lieferanten trotzdem sehr schwierig.

Das importierte Kaninchenfleisch in der Migros stammt vollumfänglich aus Ungarn. Dort setzt die Migros zusammen mit ihren Lieferanten eine Kaninchenhaltung nach Schweizer Tierschutzvorschriften um. Für die Kaninchen bedeutet dies unter anderem mehrstöckige Gehege mit Ruhe- und Rückzugsmöglichkeiten sowie artgerechten Beschäftigungsmöglichkeiten (z.B. Stroh, Heu, Karotten, Holzstücke).

Zusammen mit einem lokalen Produzenten hat die Migros in Spanien in den letzten Jahren eine Pferdehaltung nach Schweizer Vorbild aufgebaut. Die Migros bezieht importiertes Pferdefleisch ausschliesslich von diesem Produzenten.

Seit Juni 2018 verkauft die Migros nur noch Büffelmozzarella von Wasserbüffeln, die nach den strengen Schweizer Tierwohlvorschriften gehalten werden.

Mehr dazu im Migros Magazin

Die Migros stellt bis Ende 2020 sämtliche in- und ausländischen Schaleneier auf Freilandhaltung um. Mit dieser Haltungsform geht sie über die Schweizer Tierschutzvorschriften hinaus. Auch die Umstellung bei verarbeiteten Produkten mit Eiern (gemäss Geltungsbereich, siehe weiter unten) ist auf Kurs.

Die Molkereiprodukte der Migros stammen zu über 90 Prozent aus der Schweiz. Beim Käse führt die Migros neben vielen Schweizer Käsesorten auch Käsespezialitäten aus anderen Ländern wie Frankreich im Sortiment. Die vollständige Umstellung auf Schweizer Tierschutzvorschriften wird beim Käse nicht gelingen. Die Milch für den Käse stammt von vielen unterschiedlichen Bauernhöfen und Käseproduzenten. Eine Anpassung an die Schweizer Tierschutzvorschriften würde für sie bedeuten, dass sie die Milch, welche für die Migros bestimmt ist, von der restlichen Milch trennen und separat verarbeiten müssten. Dazu sind viele Käseproduzenten wegen der hohen Kosten und der gleichzeitig geringen Menge nicht bereit. Deshalb wird die Migros die Schweizer Tierschutzvorschriften nur mit einzelnen Lieferanten umsetzen können. Dies gilt sowohl für Produkte aus Kuhmilch wie auch aus Schaf- und Ziegenmilch. Erste Lieferanten konnten bereits zertifiziert werden.

Bei importiertem Wild und weiteren Exoten ist der Fortschritt bei der Umsetzung der Schweizer Tierschutzvorschriften nicht auf Kurs. Einerseits ist dies in den geringen Mengen begründet, welche die Migros von diesen Produkten vertreibt. Andererseits sind die Haltungsbedingungen betreffend Tierwohl hier oft vertretbar, auch wenn diese nicht ganz den Schweizer Tierschutzvorschriften entsprechen. Dies bedeutet, dass mit maximalem Aufwand hier nur eine minimale Wirkung erreicht werden könnte. Aktuell setzt die Migros ihre Ressourcen vorwiegend dort ein, wo mehr Tiere von den Verbesserungen profitieren können.

Weitere Informationen lesen Sie im Migros-Magazin vom 13.3.2017: «Nahe am Ziel» (PDF)

Weiterführende Informationen zum Versprechen

Die Migros verkauft überwiegend einheimisches Fleisch, insbesondere Rind-, Kalb- und Schweinefleisch stammen hauptsächlich aus der Schweiz. Bei anderen Nutztieren ist das Unternehmen aber wegen des zu kleinen einheimischen Angebots auf Importe angewiesen, wie zum Beispiel bei Poulet-, Truten-, oder Lammfleisch. Die Vorgaben im Ausland zu Haltung, Gesundheit, Fütterung, Transport und Schlachtung sind in der Regel nicht auf dem hohen Niveau der Schweiz. Deswegen hat sich die Migros 2013 folgendes Ziel gesteckt: Bis 2020 sollen auch alle Lieferanten der Migros im Ausland verpflichtet werden, die Schweizer Tierschutzvorschriften in der Produktion umzusetzen. 

Konkrete Anforderungen in fünf Bereichen 

Je nach Tierart hat die Migros in Zusammenarbeit mit externen Experten definiert, welche Anforderungen in den Bereichen Tierhaltung, Tiergesundheit, Fütterung, Transport und Schlachtung erfüllt werden müssen. Schrittweise werden die Anforderungen gemeinsam mit den Partnern über die ganze Wertschöpfungskette hinweg umgesetzt. 

Im Rahmen des Kontroll- und Auditsystems werden die Betriebe der gesamten Wertschöpfungskette betreffend Tierwohl und Rückverfolgbarkeit jährlich von externen Kontrollstellen zertifiziert. Dieses Kontroll- und Zertifizierungsprogramm wurde in Zusammenarbeit mit der Organisation ProCert aufgebaut.

Geltungsbereich des Versprechens

Das Tierwohl-Versprechen umfasst sämtliche Lebensmittel der Eigen- und Fremdmarken in den Migros-Supermärkten sowie in Migros-Take-Aways und Migros-Restaurants.

Folgende Artikel fallen unter das Tierwohl-Versprechen

  • Ausländisches Fleisch und Fleischwaren sämtlicher Tiergattungen aus Zucht, sofern der Anteil am Produkt grösser als 20 Prozent ist, sowie sämtliche Fertiggerichte, Lasagnen, gefüllte Teigwaren und Pizzen mit ausländischem Fleisch.
  • Ausländische Milch und Milchprodukte (Käse und Molkereiprodukte) aus Kuh-, Büffel-, Schaf- und Ziegenmilch, sofern der Anteil am Produkt mehr als 50 Prozent ausmacht.
  • Ausländische Eier und Eiprodukte von Legehennen, sofern der Anteil am Produkt grösser als 50 Prozent ist sowie sämtliche Eierteigwaren und Mayonnaisen mit ausländischen Eiern. 

Nicht unter das Versprechen fallen:

  • Artikel mit Rohstoffen aus Fisch. Begründung: Die Migros führt seit 2016 nur noch Fisch und Meeresfrüchte im Sortiment, die gemäss WWF als empfehlenswert oder akzeptabel eingestuft werden. Mehr dazu im Generation-M-Versprechen Fisch.
  • Tiernahrung sowie Produkte und Nebenprodukte tierischen Ursprungs des Near/Non-Food-Bereichs (zum Beispiel Leder oder Daunen). Begründung: Für diese Produkte gibt es separate Vorgaben, Details siehe PDF «Fachdokumentation Tierwohl».